Zurück zum Realitätsprinzip

Nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch die Entscheidungsträger in Politik und Gesellschaft waren im Frühjahr 2020 mit den schockierenden Nachrichten überfordert. Ein neues und deshalb unbekanntes Virus – so hieß es – bedrohe nicht nur einzelne Menschenleben, sondern gefährde die komplette Handlungsfähigkeit des Staates. Aus diesem Grunde kam es zu radikalen Maßnahmen, die es in dieser Form in der Bundesrepublik Deutschland so noch nie gegeben hat: Grundrechte wurden eingeschränkt und das öffentliche Leben, bis auf wesentliche Kernbereiche, stillgelegt. Natürlich gab es auch schon von Beginn an Kritik an den Maßnahmen, allerdings hätte wohl zu diesem Zeitpunkt kaum einer der Kritiker mit den Verantwortlichen tauschen wollen. Die unklare medizinische Informationslage und die Unabsehbarkeit der Risiken, der Druck der Medienöffentlichkeit und die Sorgen der Bevölkerungen bildeten keine guten Rahmenbedingungen für Nachdenklichkeit und abgestufte Entscheidungen. Während anfänglich noch ein uneinheitliches Meinungsbild in den Verlautbarungen der Politiker festzustellen war, überboten sich die Landesminister anschließend in rigiden Maßnahmen, bis bald ein Sog zum Konsens einsetzte: »Wir gehen mal auf Nummer sicher und rechnen mit dem Schlimmsten.«
Wer vom schlimmsten Fall (›worst case‹) ausgeht, so war vielleicht die Überlegung, der hat auch für den weniger schlimmen Fall gut vorgesorgt, ist aber vor bösen Überraschungen gefeit.

Doch die »ultima ratio«, die im ersten Schockmoment vielleicht plausibel war, kann und darf nicht die Richtschnur einer »neuen Normalität« werden.

Warum nicht?

  • 1. Wir stellen fest, dass die rigiden Maßnahmen zur Abwendung von Schaden ihrerseits massive gesundheitliche, psychologische, gesellschaftliche, kulturelle und ökonomische Schäden hervorbringen.
  • 2. Wir verfügen inzwischen über das notwendige Wissen über das Virus und erfolgreiche Therapien im Falle von Erkrankungen.
  • 3. Wir können heute auch die (Un-)Wirksamkeit und Angemessenheit der politisch veranlassten Hygienemaßnahmen verlässlich beurteilen.

Vor diesem Hintergrund ist eine Neubewertung aller Maßnahmen und Konzepte dringend erforderlich, damit wir nicht aus Gewohnheit oder einer unbegründeten Sorge heraus, Dinge verstetigen, die entweder sinnlos oder gar schädlich sind, und zugleich Dinge unterlassen, die dringend erforderlich wären. Schulen, Altenheime, Krankenhäuser, Theater und Kulturstätten, Betriebe und Unternehmen, Gaststätte, Hotels und Veranstaltungsorte usf. brauchen eine neue Balance zwischen Hygieneauflagen und ihrer eigentlichen Aufgabe, damit das öffentliche Leben und die Grundlagen unseres Wohlergehens nicht stranguliert werden.

"Homo hygienicus"

Am 16.10.2020 war unser Team-Mitglied Dr. Matthias Burchardt live im Interview bei Radio WDR 5 zum diesem Thema.
Sie können das knapp 27-minütige Interview als Podcast hören (bis zum 16.10.2021) hier auf WDR 5.


(06.10.2020 - MB / update 16.10.2020 - tho)

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